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Narodowe Muzeum Morskie w Gdańsku

Aktuelle Sprache:

Niemiecki
Museumskomplex auf der Insel Ołowianka

Die längere Museumsabteilungen - Öffnungszeiten

Wir teilen herzlich mit, daß während des langen Wochenende, täglich vom 29. April bis zum 7. Mai 2017 von 10.00 - 18.00 Uhr die folgenden Abteilungen (die Speichern, das Schiff-Museum Sołdek, das Krantor und das Zentrum für Maritime Kultur und das Schiff-Museum dar Pomorza in Gdynia) länger geöffnet werden. Das Fischfangmuseum in Hel und das Weichselmuseum und Zentrum zur Restaurierung von Bootswracks in Tczew werden von 10.00 - 16.00 Uhr täglich geöffnet.

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Die unzerstörbare Kumka IV

17.07.2015 |

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Die unzerstörbare Kumka IV

Die "Kumka IV" sollte wie ein Flugzeug sein: schnell, leicht, dicht und dazu billig, weil sie aus geschweißtem Blech hergestellt wurde. Als der achtundzwanzigjährige Ingenieur, Tadeusz Sołtyk, eine Jacht für sich entwirft, träumt er davon, dass das Wasserfahrzeug mindestens zwei Jahre aushält – bevor es von der Korrosion besiegt wird. "Kumka IV" wird den Krieg und ihren Konstrukteur überleben. In zwei Jahren wird sie ihren achtzigsten Geburtstag im gerade in Tczew gebauten Zentrum zur Restaurierung von Bootswracks feiern.

Schweißnähte kontra Niete
Der Ingenieur Tadeusz Sołtyk hat zwei Leidenschaften: Flugwesen und Segelsport. Als ein ehrgeiziger Flugzeugkonstrukteur träumt er davon, eine kleine, touristische Segeljacht für vier Personen zu entwerfen. Die Jacht muss schnell, dicht, einfach in Wartung und im Bau sein. Der Segelsport muss doch nicht, wie man sagt, die teuerste Art und Weise, die Zeit unbequem zu verbringen sein. Sołtyk sucht nicht die Ersparnis um jeden Preis, er will aber innovative Lösungen anwenden. Die Niete – die herkömmlich im Schiffbau verwendet werden – hält er für Zeitverlust: Stahl kann man doch schweißen. Die innovative Idee des jungen Ingenieurs hatte in der Branche keinen Beifall gefunden: Die Vorläufer haben es schwer. Tadeusz Sołtyk wusste aber nicht, dass er ein Pionier ist, und dass das Projekt der Jacht mit der geschweißten Außenhaut mit einer Dicke von 2 mm eine innovative Idee ist, die in Polen noch nie eingesetzt wurde.

Eine originelle Form
Sołtyk entwirft ein Wasserfahrzeug mit v-förmigem Boden und Slup-Segelwerk. Im Bugbereich befindet sich eine Vorpiek, die durch einen wasserdichten Schott getrennt wurde – es ist eine Bootsmannkammer und eine Bordtoilette. Die Kabine im Mittelschiff, die mit Schall- und Wärmedämmung ausgekleidet wurde, beinhaltet zwei Kojen (unter diesen befinden sich die Behälter für das Gepäck und Wasser) und wurde mit den Schränken von einer Heckkabine für zwei Personen getrennt. In einem der Schränke befindet sich eine abschließbare Küche, in der anderen – Garderobe. Unten im Rumpf wurde ein C-Stahlprofil befestigt. Eine solche Lösung wurde während der ersten Seereise nützlich, wenn Sołtyk die Weichsel abwärts bis zur Ostsee gefahren ist, und nachdem er die Jacht auf dem Bord gelegt hat, konnte er den Bulbkiel montieren, bevor er auf größere Gewässer auslief. Am Rand der Ballastflosse wurde das Steuer aufgehängt. Die 2 mm dicken Bleche wurden auf dem Montagegerüst gelegt und geschweißt. Erst dann, nach Umdrehung, wurde der Rost der inneren Versteifung eingeschweißt. Die Spanten wurden aus Winkeleisen gefertigt, die mit einer Kante zur Außenhaut angeschweißt wurden. Solche Anordnung der Winkeleisen gewährleistete die Festigkeit der Verbindung von Spant und Außenhaut und ermöglichte einen einfachen Zugang zu allen Stellen, die besonders der Korrosion ausgesetzt sind. "Kumka IV" wurde in Warschau, in einer Werkstatt von Zgliński, Glazura i Sieradzki gebaut – sie kostete (samt Ausstattung) ca. 6500 damaligen Zlotys.

Bevor "Kumka IV" zu "Elektra" wurde.
"Kumka IV" schwamm zwei Jahre durch die Gewässer der Ostsee. Obwohl sie an der Regatta in Kopenhagen nicht teilgenommen hat, weckte sie ein großes Interesse. Alle bewunderten ihre moderne Gestalt und Konstruktionslösungen. Im Jahre 1939, nach einer kleinen Reparatur und Ausrüstung, will Sołtyk nach Bornholm fahren: "Kumka IV" wurde vom Seesturm erwischt, dann ist ihr ein Steuerausfall zugestoßen. Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs kehrte die Jacht nach Gdańsk zurück. Tadeusz Sołtyk nahm am Septemberfeldzug teil. In der Schlacht bei Kock wurde er gefangen genommen, es ist ihm aber gelungen, zu fliehen. Während der Okkupation versteckte er sich auf dem Landgut in Brześce. Seine Jacht (die auf "Elektra" umbenannt wurde) nutzten damals die Deutschen. Nach manchen Quellen wurden mit "Kumka IV" die Versuche mit der Fernsteuerung durchgeführt. Bei der Sprengung des Wellenbrechers im Jachtbecken in Gdynia in die Luft wurde die Außenhaut der Jacht teilweise zerstört.

"Kumka IV" ist verschwunden
Nach dem Krieg, im Jahre 1948 wurde der mit Splitter durchlöcherte Rumpf von "Kumka IV" von Jachtkonstrukteur Zbigniew Milewski gekauft. Das Wasserfahrzeug wurde renoviert (u.a. die Takelung) und schwamm durch Ostsee bis zum Jahre 1950 unter dem Namen "Smyk". Die damaligen Behörden, die fürchteten, dass die Segler in den Westen fliehen werden, haben verboten, mit den Jachten aufs Meer zu schwimmen, "Smyk" wurde also nach Giżycko verkauft. In diesem Moment bricht die Geschichte der Jacht ab: "Kumka IV" vel "Smyk" verschwindet. Ab und zu wird erwähnt, dass in Masuren eine ähnliche Jacht gesehen wurde.

Nach vielen Jahren wieder gefunden
Im Jahre 2001 hat der Mitarbeiter des Nationalen Maritimen Museums – Mirosław Kuklik die Jacht "Kumka IV" in einem Schuppen in Białystok gefunden. Die Jacht, als eine Gabe der damaligen Eigentümer, gelangte in eine der Abteilungen des Nationalen Maritimen Museums in Gdańsk, und zwar ins Museum der Weichsel in Tczew. Der Rumpf von "Kumka IV" war sehr korrodiert, die Außenhaut zeigte Defekte und die Renovierung verlangte professionelle Maßnahmen. Die Konservatoren aus dem Museum, im Einvernehmen mit Tadeusz Sołtyk (der Konstrukteur von "Kumka IV" war sehr überrascht, dass die Jacht immer noch existiert) und die Werft – Stocznia Żuławy in Piaskowiec bei Ostaszewo, entschieden sich für schnelle Maßnahmen, um das historische Wasserfahrzeug zu retten.

Präzise Arbeit
Die Arbeiten an "Kumka IV" fangen in der Werft Stocznia Żuławy im Jahre 2003 an. Nach der Reinigung des Bordes und des Innenraumes des Rumpfes von Rost stellte es sich heraus, dass einige Fragmente so korrodiert sind, dass sie ausgetauscht werden müssen. Die fehlenden Elemente des Rumpfs aus verzinktem Blech wurden auf dieselbe Art und Weise angeschweißt, wie im Jahre 1937. Der Rumpf wurde mit Korrosionsschutzmittel bedeckt, fehlende Elemente wurden ergänzt, u.a. die Bullaugen, Knaggen und die Leisten an der Kante des Rumpfs. Auch die Ballastflosse wurde rekonstruiert und an den Rumpf befestigt. An den Rekonstruktionsarbeiten, die durch die Werft unentgeltlich ausgeführt wurden (das Museum hat nur für die Materialien bezahlt), nahm auch Tadeusz Sołtyk als Berater teil. "Kumka IV" wurde gemäß seinen Ratschlägen bemalt – der Unterwasserteil mit einer Farbe von Mennige, und der Überwasserteil – weiß. Das Deck wurde mit Jute bedeckt und mit einer aschgrauen Farbe gestrichen.

Konservatorische Maßnahmen
Nach der Rekonstruktion, die in der Werft ausgeführt wurde, folgte die nächste Etappe – unter Anteilnahme der Spezialisten des Museums. Auch hier waren die Ratschläge des Konstrukteurs unschätzbar, besonders bei den strittigen Fragen, die mit dem Auswechseln von Holzelementen verbunden waren (im Laufe der Untersuchungen stellte es sich heraus, dass z.B. zwei verschiedene Elemente des Lukensülles aus unterschiedlichen Holzgattungen gemacht und wahrscheinlich nach dem Krieg ausgetauscht wurden). Die Abteilung der Konservierung hat die Luken, Handrelings, Gitterrost des Cockpits, Bänke und Lehnen im Cockpit, Befestigungsleiste der Jutebeutel und die Anschlagpuffer rekonstruiert. Alle Arbeiten wurden auf dem Gebiet des Museums der Weichsel in Tczew ausgeführt, wo "Kumka IV" bis zum Jahre 2014 aufbewahrt wurde.

Auffrischung in Puck
Im Sommer 2014 wurde "Kumka IV" zusammen mit anderen historischen Jachten zu Complex Jacht nach Puck transportiert. Das Schiffbauunternehmen, das für den Bedarf des Zentrums zur Restaurierung von Bootswracks in Tczew die Jachten "Dal" und "Opty" renovierte, wird bei "Kumka IV" Auffrischungsarbeiten durchführen. Es stellte sich heraus, dass die Reparatur vor 12 Jahren so gut durchgeführt wurde, dass jetzt nur kosmetische Maßnahmen ausreichend sind, um das Aussehen der Jacht von vor fast 80 Jahren wiederherzustellen. Complex Jacht wird die Jacht u.a. neu streichen (auch die Steuerflosse und das Deck), die Prellleisten befestigen und die Messingbeschläge, Bullaugen und die Aufschrift "Kumka IV" renovieren.

Was wird jetzt mit "Kumka IV"?
Der unzerstörbare Prototyp aus geschweißtem Blech überlebte den Krieg und die Verschrottung in einem Schuppen. Nach der Reparatur in Complex Jacht in Puck wird er im Zentrum zur Restaurierung von Bootswracks in Tczew ausgestellt. Drei Jachten – "Opty", "Dal" und "Kumka IV" werden nebeneinander als Idée fixe ihrer Designer stehen. "Opty" - die Jacht, die die Erde umkreist hat, "Dal" – die nach Amerika geschwommen ist und "Kumka IV" – ein Symbol der außergewöhnlichen Kreativität und Erfindungsgabe eines Flugzeugkonstrukteurs, der von einer kleinen Jacht träumte.


"Kumka IV"
Hauptabmessungen:
Gesamtlänge - 8,08 m,
Breite - 2,3 m,
Tiefgang - 1,45 m,
Takelage - Bermudarigg (1 Mast und 2 Dreiecksegel),
Segelfläche - 30 m2


Tadeusz Sołtyk
Tadeusz Sołtyk ist am 30. August 1909 in Radom geboren. Bereits als Student interessierte er sich für Flugzeuge und Jachten. Im Jahre 1934 absolvierte er die Mechanische Fakultät an der Technischen Universität Warschau. Nach dem Studium arbeitete er in Państwowe Zakłady Lotnicze (Staatliche Luftfahrt-Werke) in Warschau. Er war mit der Modernisierung des Bombenflugzeuges PZL 23 Karaś und Gestaltung des Kampfflugzeuges PZL Sum beschäftigt. Nach dem Krieg arbeitete er als Hauptkonstrukteur in Lotnicze Warsztaty Doświadczalne (Versuchswerkstatt für Luftfahrt) in Łódź, wo bereits im Herbst 1945 das erste Flugzeug gebaut wurde – LWD Szpak. Weitere Flugzeuge, die unter der Leitung von Sołtyk entworfen wurden, waren die Schulungsflugzeuge: Żak, Junak, Zuch und die Militärflugzeuge: Żuraw i Miś.

Der Konstrukteur hielt Vorlesungen an den Technischen Universitäten in Łódź, Gdańsk und Warschau und wurde zum ordentlichen Professor ernannt. Weitere Flugzeuge, die Sołtyk konstruiert hat, waren die berühmten Modelle: TS 8 Bies, der in den Jahren 1956 - 1957 vier Weltrekorde gebrochen hat und TS 11 Iskra aus 1960. In den 60er Jahren arbeitete Sołtyk an der Entwicklung des Überschallflugzeuges Grot mit dem damals innovativen Delta-Flügel. Im Jahre 1965 musste er die Arbeiten wegen des Widerspruchs der Sowjetunion unterbrechen, die das Monopol auf die Herstellung der Düsenkampfflugzeuge im kommunistischen Block hatte. Seit Ende der 20er Jahren entwarf Sołtyk auch die Jachten. Seine erste Jacht war das Segelboot "Kumka" aus dem Jahre 1929. Danach entstanden die Projekte für "Kumka II" und "Kumka III" und zwei Eisjachten. Im Jahre 1937 konstruierte er "Kumka IV", ein Jahr später – die Jacht "Transatlantyk", die von Pfadfinder gebaut werden sollte, um damit eine ozeanische Reise zu machen. Nach dem Krieg konstruierte Sołtyk weiter die Jachten und Boote, darunter auch weitere Modelle von "Kumka" – ab dem Fünften bis zum Siebten.

Für seine Arbeit wurde er mehrmals ausgezeichnet, u.a. mit dem Ritterkreuz des Ordens der Wiedergeburt Polens (1960) und mit der Medaille Polonia Mater Nostra Est (2001). Er hat auch den Nationalpreis II. Grades für das Flugzeug LWD Junak und den Preis des Verteidigungsministeriums I. Grades (für das Flugzeug Iskra) erhalten. Er schrieb fünf Bucher, davon ein mit dem Erinnerungscharakter: "Zwei Urgewalten. Zwei Leidenschaften". Am 5. Oktober 1976 wurde er vom Verteidigungsminister mit dem Eintrag ins "Ehrenbuch der soldatischen Taten" ausgezeichnet. Tadeusz Sołtyk ist am 14. Juli 2004 in Warschau gestorben.


Das Projekt "Zentrum zur Restaurierung von Bootswracks mit Schaumagazin in Tczew – Umbau der Infrastruktur des Nationalen Maritimen Museums in Gdańsk" wird im Rahmen des Programms "Konservierung und Revitalisierung des Kulturerbes" realisiert und wurde von dem norwegischen Fonds und EWR-Fonds aus Island, Liechtenstein und Norwegen und aus Landesmitteln unterstützt. Die Gesamtkosten der Investition belaufen sich auf 22 Millionen PLN. Die Aufgabe wird in der polnisch-norwegischen Partnerschaft mit dem Norwegischen Maritimen Museum in Oslo und dem Kulturhistorischen Museum in Oslo realisiert.



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